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Der Krieg im Familiengedächtnis

Das Zeitzeugen-Projekt zum Hamburger „Feuersturm“

Antragsteller

Dr. Linde Apel

PD Dr. Ulrich Lamparter

Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe

Prof. Dr. Dorothee Wierling 

English summary

The term ‘Hamburg Firestorm’ refers to the bombing raids on Hamburg that took place over several days in the summer of 1943. Around 35,000 people lost their lives and the “Firestorm” has been seared into the city’s memory – as the deepest caesura in the 20th century in the shape of Hamburg and its history. Thus far, little is known about the long-term effects of this war experience, both in historical terms and in relation to the ramifications it has had both for individuals and across generations. An interdisciplinary research project, which has been receiving support from the Gerda Henkel Foundation since 2006 and takes survivors and succeeding generations as its subject matter, focuses on the question, to what extent do war experiences lead to long-term trauma and how this is processed in the context of the individual, the family and society? A research team in Hamburg led by psychoanalysts Dr. Ulrich Lamparter and Dr. Silke Wiegand-Grefe as well as contemporary historians Dr. Dorothee Wierling and Dr. Malte Thießen, searched in the city for the gaps of land left by bombs where houses once stood, war bunkers and individuals and families affected by the firestorm.

Wie werden Kriegserfahrungen innerhalb der Familie erinnert? Dieser Frage ging ab 2007 ein interdisziplinäres Forschungsprojekt anhand eines spezifischen Kriegsereignisses nach: Am 25. Juli 1943 begann die Royal Air Force eine Serie von Bombenangriffen auf Hamburg. Durch die zuvor anhaltende Trockenheit wurden die durch die Bombardierung verursachten Brände zusätzlich angefacht. Es kam zum so genannten Hamburger Feuersturm, bei dem weite Teile der Stadt zerstört wurden und Zehntausende Menschen ihr Leben verloren. Noch heute finden sich im Hamburger Stadtbild deutliche Spuren dieses Angriffs, der zum festen Bestandteil der städtischen Erinnerungskultur geworden ist.

Von einem Zeitzeugen gefundenes alliiertes Flugblatt, das 1943 in Hamburg abgeworfen wurde

[Bildquelle:

Sammlung des Feuersturm-Projekts

]

Wie haben Zeitzeugen die Ereignisse verarbeitet? Wie werden die traumatischen Erinnerungen innerhalb der Familie und in den Folgegenerationen weitergegeben? In einer Kooperation zwischen der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) erforschten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Geschichte und Psychoanalyse gemeinsam diese Fragen auf der Basis von Zeitzeugen-Interviews. Grundlage hierfür bildete eine Liste von Namen und Nachlässen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Feuersturms, die ursprünglich von einem Interviewprojekt des Hamburger Abendblatts stammten. Eine erste Kontaktaufnahme der Forschergruppe traf auf große Resonanz: auf 75 Anfragen erhielten sie 70 Interviewzusagen. Im Laufe des Projekts meldeten sich immer wieder Menschen, die von dem Unterfangen gehört hatten, so dass die Zahl der Interviews am Ende auf 153 stieg – das Bedürfnis, über den Feuersturm zu sprechen und die Erinnerung wach zu halten, schien groß zu sein.

Die Forschergruppe führte mit damals Betroffenen sowie deren Kindern und Enkeln qualitative Einzel- und Familieninterviews, in denen den Befragten viel Zeit eingeräumt wurde. Im Mittelpunkt stand dabei stets die transgenerationale Tradierung des Erlebten. Allein die Verschriftlichung dieser Interviews bildete einen wichtigen Beitrag zur Oral History des Feuersturms. Doch die Forschergruppe wollte nicht nur dokumentieren, sondern auch die Wechselbeziehungen zwischen individueller bzw. familiärer Verarbeitung und öffentlichen Deutungsangeboten untersuchen. Der Aspekt des Traumas wurde dabei sowohl aus psychoanalytischer als auch aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive beleuchtet. Hinzu kamen Fragestellungen nach dem sozialen Kontext der Befragten. Wie beeinflussten Geschlecht, Alter, Schicht und Generationalität die Erinnerung? Wie wirkte sich der Feuersturm auf die eigene Lebens- und Familiengeschichte aus? Durch die Auswertung der Gespräche und Biografien erstellten die Forscherinnen und Forscher schließlich verschiedene Typen der Verarbeitung und der generationellen Weitergabe. Diese Typologisierung gibt Aufschluss über die individuellen psychischen Effekte sowie die sozialen und familiären Langzeitwirkungen des Feuersturms.

Das wissenschaftliche Projekt wurde auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Neben zahlreichen Aufsätzen und einer wissenschaftlichen Tagung im Jahr 2011 entstanden mehrere Fernsehdokumentationen (NDR, ZDF). In einer zehnteiligen L.I.S.A.Video-Reihe führen die Forscherinnen und Forscher durch die verschiedenen Aspekte des Projekts und treffen sich mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und ihren Nachkommen.

Literatur: Ulrich Lamparter, Silke Wiegand-Grefe, Dorothee Wierling (Hg.), Zeitzeugen des Hamburger Feuersturms 1943 und ihre Familien. Forschungsprojekt zur Weitergabe von Kriegserfahrungen, Göttingen 2013

Der "Hamburger Feuersturm" – Die Video-Reihe bei L.I.S.A.

L.I.S.A. - das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung widmete den dem Forschungsprojekt zum "Hamburger Feuersturm" eine mehrteilige Video-Dokumentation.

Projektinformationen

Projekttitel Zeitzeugen des "Hamburger Feuersturms" und ihre Familien - ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur transgenerationalen Weitergabe traumatischer Kriegserfahrung
Antragsteller    Dr. Linde Apel PD Dr. Ulrich Lamparter Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe Prof. Dr. Dorothee Wierling 
Bearbeiter Jun.-Prof. Dr. Malte Thießen
Institution Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg
Fachbereich Geschichte
Datierung 1943 n. Chr.

Karte

Projektort
   
Projektleitung
Dr. Linde Apel
PD Dr. Ulrich Lamparter
Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe
Prof. Dr. Dorothee Wierling

Titelbild: Royal Air Force Bomber Command, 1942-1945, Imperial War Museum / Wikimedia Commons.

Foto Dr. Linde Apel: FZH;

Foto Prof. Dr. Dorothee Wierling: Fabricius

1978

In guter Nachbarschaft

 

1993

Ausgezeichneter Nachwuchs